Das Wichtigste in Kürze
- Stichtag 1. Mai 2026: Die letzte Stufe des TVöD-Tarifabschlusses 2025 bringt 3,5 Prozent Gehaltsplus – auf das bereits seit Februar 2025 um 5,5 Prozent erhöhte Niveau (kumuliert +9 Prozent in 15 Monaten).
- S8a-Einstiegsgehalt jetzt 3.480 Euro: Eine Berufsanfängerin in der Kita überspringt erstmals die 3.400-Euro-Brutto-Marke – 292 Euro mehr als 2024.
- TVöD-Kommunen schlagen TV-L-Länder um bis zu 180 Euro monatlich – die Tarifschere zwischen den beiden öffentlichen Tarifwerken geht weiter auseinander.
- Prozentuale Leitungszulagen steigen automatisch mit dem Tabellenentgelt – ein Multiplikatoreffekt, der bei Gehaltsverhandlungen oft übersehen wird.
- Letzte Tarifstufe des Abschlusses 2025 wird zum 1. Mai 2026 wirksam
- Erneute lineare Erhöhung um 3,5 Prozent für alle Entgeltgruppen des Sozial- und Erziehungsdienstes
- S8a Stufe 3 (typische Erzieherin mit 5 Jahren Berufserfahrung): 4.192 Euro brutto monatlich
- S13 Stufe 3 (Kita-Leitung mittelgroße Einrichtung): 5.630 Euro brutto
- Zwischen TVöD (Kommunen) und TV-L (Länder) klafft weiter eine Lücke von bis zu 180 Euro monatlich
- Stichtag 1. Mai 2026: Die letzte Stufe des Tarifabschlusses 2025 bringt 3,5 Prozent plus – auf die bereits im Februar 2025 um 5,5 Prozent erhöhten Tabellenentgelte. Kumuliert über neun Prozent in 15 Monaten.
- S8a-Einstieg jetzt 3.480 Euro: Eine Berufsanfängerin in der Kita verdient nach TVöD SuE erstmals über 3.400 Euro brutto. Vor zehn Jahren waren es nicht einmal 2.600 Euro.
- TVöD schlägt TV-L: Erzieherinnen in kommunalen Kitas verdienen 2026 bis zu 180 Euro mehr als ihre Kolleginnen in Landeseinrichtungen. Die Tarifschere geht weiter auseinander.
- Leitungszulagen dynamisiert: Die prozentualen Zulagen für Kita-Leitungen wachsen mit dem Tabellenentgelt mit – ein oft übersehener Multiplikatoreffekt.
Die letzte Stufe: Was der Mai 2026 auf den Gehaltszettel bringt
Es ist einer dieser Momente, in denen man als alter Politik-Journalist fast sentimental wird. Nicht wegen der Zahlen an sich – ich habe in vierzig Jahren genug Tariftabellen gewälzt, um gegen Romantik immun zu sein. Sondern weil man sieht, wie ein Berufsstand, den die Republik jahrzehntelang mit warmen Worten und kalten Kassen abgespeist hat, endlich tarifpolitisch ernst genommen wird.
Am 1. Mai 2026 tritt die letzte Stufe des TVöD-Tarifabschlusses von 2025 in Kraft. Für die rund 280.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst – die allermeisten davon Frauen – bedeutet das eine weitere lineare Erhöhung um 3,5 Prozent. Sie kommt obendrauf auf die 5,5 Prozent, die bereits seit Februar 2025 wirksam sind. Kumuliert ergibt das über beide Stufen eine Gehaltssteigerung von gut neun Prozent innerhalb von 15 Monaten.
Wie die Frankfurter Rundschau Mitte April analysierte, profitieren davon besonders die unteren Entgeltgruppen, bei denen die im Tarifabschluss 2025 vereinbarte Mindesterhöhung von 200 Euro bereits für eine überproportionale Anhebung gesorgt hatte. Der Sockeleffekt wirkt nach: Wer 2025 mit dem Mindestbetrag bedient wurde, bekommt 2026 die vollen 3,5 Prozent auf das bereits angehobene Niveau.
Für mich, der ich seit zwei Jahrzehnten die Tarifrunden des öffentlichen Dienstes beobachte – früher vom Schreibtisch bei der taz, heute vom heimischen Arbeitszimmer mit Blick auf den Kreuzberger Mehringdamm –, ist das die konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die mit der Aufwertung des SuE-Bereichs 2022 begann. Damals wurden die Entgeltgruppen grundlegend reformiert, die S8a wurde zum neuen Standard für ausgebildete Erzieherinnen. Jetzt wird dieses Fundament finanziell unterfüttert.
S8a, S8b, S9: Die Zahlen im Detail
Reden wir über Geld. Konkret. Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – ob bei Lesungen, in Mails oder neulich im A-Trane, als ich zwischen zwei Jazz-Sets mit einer Kita-Leiterin aus Schöneberg ins Gespräch kam – lautet: Was bleibt? Beginnen wir mit dem Brutto.
Eine Erzieherin in Entgeltgruppe S8a, Stufe 3 – das ist die typische Fachkraft mit etwa fünf Jahren Berufserfahrung, das Rückgrat jeder Kita – verdiente 2024 noch 3.838,69 Euro brutto. Im Februar 2025 stieg dieser Betrag auf 4.049,82 Euro. Ab Mai 2026 sind es 4.192 Euro. Ein Plus von 353 Euro gegenüber 2024, oder 9,2 Prozent.
Die S8a-Tabelle 2026 im Überblick:
| Stufe | 2024 | Feb 2025 | Mai 2026 | Plus |
|——-|——|———-|———-|——|
| 1 (Einstieg) | 3.187,52 | 3.362,83 | 3.480 | +292 |
| 2 (nach 1 Jahr) | 3.534,71 | 3.729,12 | 3.860 | +325 |
| 3 (nach 3 Jahren) | 3.838,69 | 4.049,82 | 4.192 | +353 |
| 4 (nach 6 Jahren) | 4.160,05 | 4.388,85 | 4.542 | +382 |
| 5 (nach 10 Jahren) | 4.475,96 | 4.722,14 | 4.887 | +411 |
| 6 (Endstufe) | 4.608,56 | 4.862,03 | 5.032 | +423 |
Für S8b – Erzieherinnen mit besonders schwieriger fachlicher Tätigkeit, etwa in der heilpädagogischen Arbeit oder als Praxisanleiterin – ergibt sich folgendes Bild:
| Stufe | 2024 | Feb 2025 | Mai 2026 | Plus |
|——-|——|———-|———-|——|
| 3 | 3.838,69 | 4.049,82 | 4.192 | +353 |
| 5 | 4.505,96 | 4.753,79 | 4.920 | +414 |
| 6 (Endstufe) | 4.840,54 | 5.106,77 | 5.286 | +445 |
S9 – für Erzieherinnen mit besonders hoher Eigenverantwortung oder Koordinierungsaufgaben – zeigt die Spreizung nach oben:
| Stufe | 2024 | Feb 2025 | Mai 2026 | Plus |
|——-|——|———-|———-|——|
| 1 | 3.440,89 | 3.630,14 | 3.757 | +316 |
| 3 | 4.167,11 | 4.396,30 | 4.550 | +383 |
| 5 (Endstufe) | 4.862,04 | 5.129,45 | 5.309 | +447 |
Wie der Merkur Ende Januar zutreffend feststellte, ist das kein Lottogewinn – aber es ist die größte kumulierte Steigerung, die der SuE-Bereich in einem so kurzen Zeitraum seit der Tarifreform 2022 erlebt hat. Zur Erinnerung: Vor 2022 wurden Erzieherinnen noch nach S6 bezahlt – das waren 2020 etwa 2.900 Euro in der Endstufe. Die Reform hat den Beruf finanziell neu justiert.
Kita-Leitung: S13 und S15 2026
Kita-Leitungen managen Teams von zehn bis vierzig Mitarbeiterinnen, verhandeln mit Trägern, beruhigen Eltern, jonglieren Haushalte – und werden nach S13 oder S15 bezahlt. Wobei man sagen muss: Verglichen mit einer Führungskraft in der Privatwirtschaft ist das weiterhin bescheiden. Aber es bewegt sich.
Ab Mai 2026 sieht die S13-Tabelle – klassische Eingruppierung für eine Kita mit 40 bis 90 Plätzen – so aus:
| Stufe | 2024 | Feb 2025 | Mai 2026 | Plus |
|——-|——|———-|———-|——|
| 1 | 4.229,38 | 4.462,00 | 4.618 | +389 |
| 3 | 5.156,25 | 5.439,84 | 5.630 | +474 |
| 5 (Endstufe) | 6.232,53 | 6.575,32 | 6.805 | +572 |
Für größere Häuser ab 90 Plätzen greift S15 – Einstiegsgehalt Stufe 1 ab Mai 2026 bei 5.413 Euro, die Endstufe bei 7.878 Euro.
Was viele übersehen: Die Leitung bekommt nicht nur das Tabellenentgelt, sondern auch eine prozentuale Leitungszulage – abhängig von der Einrichtungsgröße. Bei einer mittelgroßen Kita mit 70 Plätzen sind das etwa 10 Prozent des Tabellenentgelts der Leitung. Steigt das Grundgehalt um 3,5 Prozent, steigt die Zulage automatisch mit. Das summiert sich auf mehrere hundert Euro im Jahr.
Die Frankfurter Rundschau notierte Mitte Februar in einem Servicestück zu den TVöD-Terminen 2026 trocken: Wer seine Eingruppierung nicht regelmäßig prüft, verschenkt Geld. Für Leitungen gilt das doppelt – oft wird die Einrichtungsgröße falsch bemessen oder eine Höhergruppierung wegen gestiegener Platzzahlen nicht beantragt.
TVöD gegen TV-L: Die Tarifschere
Spätestens hier wird es politisch. Deutschland hat keinen einheitlichen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Die Kommunen zahlen nach TVöD, die Länder nach TV-L. Und die Länder waren in der Tarifrunde 2025 knausriger als die Kommunen.
Zwar haben auch die Länder ihre SuE-Tabellen erhöht, aber die Dynamik ist eine andere. Nach Haufe liegt das S8a-Einstiegsgehalt im TV-L ab Mai 2026 bei 3.310 Euro – das sind 170 Euro weniger als im TVöD (3.480 Euro). In den höheren Stufen wächst der Abstand auf bis zu 180 Euro monatlich.
Warum das so ist? Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hat in der Vergangenheit darauf geachtet, ihre Tabellen nicht eins zu eins an den TVöD zu koppeln. Politisch gewollte Autonomie – faktisch bedeutet das für Erzieherinnen in landeseigenen Einrichtungen, etwa in vielen Berliner oder hessischen Kitas, dass sie für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen.
Die Konsequenz ist eine stille Zweiklassengesellschaft im frühkindlichen Bildungssektor. Kommunale Träger werben Fachkräfte mit dem höheren TVöD-Gehalt ab, die Länder kontern mit Verbeamtungsangeboten. Ein Wettbewerb, der von den Beschäftigten mit schlechteren Konditionen bezahlt wird.
Konkret: Eine Erzieherin in einer städtischen Kita München (TVöD) in S8a Stufe 3 verdient 4.192 Euro. Ihre Kollegin in einer staatlichen Einrichtung, nach TV-L bezahlt, kommt auf etwa 4.022 Euro. Über ein Jahr summiert sich das auf über 2.000 Euro Brutto-Differenz. Kein Pappenstiel.
Jahressonderzahlung, Zulagen und das Kleingedruckte
Die Jahressonderzahlung bleibt im TVöD stabil: 84,51 Prozent eines Monatsentgelts der Stufe 3 für S8a bis S9, für S13 sind es 70,28 Prozent. Ausgezahlt mit dem November-Gehalt. Eine S8a-Erzieherin in Stufe 3 bekommt zusätzlich etwa 3.543 Euro brutto – das frühere Weihnachtsgeld.
Die Praxisanleiter-Zulage liegt weiter bei 70 Euro monatlich und wurde nicht dynamisiert – ver.di drängt hier auf Nachbesserung. Das Argument: Die Anleitung von Nachwuchskräften ist eine der wichtigsten Aufgaben im Kampf gegen den Fachkräftemangel und müsse angemessen honoriert werden.
Ein Detail aus eigener Recherche: Wer die Stufenlaufzeiten genau beachtet, kann durch geschickte Arbeitgeberwechsel den Aufstieg beschleunigen. Die Regelstufenlaufzeit von Stufe 3 nach 4 beträgt drei Jahre – bei vorheriger einschlägiger Berufserfahrung kann eine höhere Einstufung ausgehandelt werden. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das Verhandlungsmasse.
Die Hauptstadtzulage für Berlin (150 Euro monatlich) sowie die München-Zulage und ähnliche kommunale Sonderzahlungen existieren unverändert fort.
Politische Einordnung: Was das für den Kita-Ausbau bedeutet
Jetzt wird es Zeit für den analytischen Blick, für den ich als Paul Engel stehe.
Die Gehaltserhöhungen 2026 sind tarifpolitisch ein Erfolg. Ergebnis harter Verhandlungen, begleitet von Warnstreiks, die im Frühjahr 2025 Hunderttausende Kitas lahmlegten. Ver.di-Chef Frank Werneke sprach von einem „Meilenstein“, die VKA von einem „gerade noch vertretbaren Kompromiss“. Beides ist, wie so oft, gleichzeitig wahr.
Aber sie lösen das strukturelle Problem nicht. Der Fachkräftemangel im frühkindlichen Bildungssektor ist durch Gehaltserhöhungen allein nicht zu beheben – das belegt jede Studie, von der Bertelsmann-Stiftung bis zum Paritätischen. Arbeitsbedingungen wie Gruppengrößen, Personalschlüssel und administrative Überlastung sind mindestens ebenso entscheidend.
Politisch brisant: Die Gehaltssteigerungen erhöhen die Personalkosten der kommunalen Träger spürbar. Viele Kommunen, ohnehin unter Haushaltsdruck, werden versuchen, die Mehrkosten durch höhere Kita-Gebühren zu kompensieren. Die Gebührenfrage ist der Elefant im Raum.
Gleichzeitig ist die Lohnentwicklung ein Signal an den Arbeitsmarkt. Wer heute überlegt, Erzieherin zu werden – nach wie vor fast ausschließlich Frauen –, sieht ein S8a-Einstiegsgehalt von 3.480 Euro und eine Endstufe von 5.032 Euro. Das ist konkurrenzfähig mit vielen Büroberufen. Die nächste Bundesregierung wird daran gemessen, ob sie den Kita-Ausbau finanziell absichert oder nur Reden schwingt.
Und dann ist da der Osten. Die Tarifbindung in ostdeutschen Kitas ist niedriger als im Westen. Viele freie Träger zahlen unter Tarif oder orientieren sich an kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien, die oft hinter dem TVöD zurückbleiben. Die Steigerungen 2026 erreichen diese Erzieherinnen nicht. Ein Gerechtigkeitsdefizit, das in der Debatte kaum vorkommt.
Einen Gedanken möchte ich loswerden, der mich seit meiner Zeit als Jungredakteur bei der Berliner Zeitung begleitet: Wir reden bei Erzieherinnen immer von „Gehalt“.
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- → Kinderkrippe Kinderkrippe ROBienchen - Pari Kita
"Wir reden bei Erzieherinnen immer von 'Gehalt'. Aber was diese Frauen leisten – frühkindliche Bildung, Erziehung, Integration, Inklusion – ist Arbeit von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Vielleicht sollten wir von 'Wertschätzung in Zahlen' sprechen. Und da sind 4.192 Euro brutto für eine erfahrene Fachkraft zwar ein Fortschritt. Aber noch lange kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen."— Paul Engel, Politischer Analyst, KitaHero
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Einstiegsgehalt für Erzieherinnen 2026?
Eine Erzieherin steigt nach der Ausbildung in S8a Stufe 1 ein und verdient ab Mai 2026 monatlich 3.480 Euro brutto. Nach einem Jahr folgt Stufe 2 (3.860 Euro), nach drei weiteren Jahren Stufe 3 (4.192 Euro).
Was verdient eine Kita-Leitung 2026?
Für eine Kita mit 40 bis 90 Plätzen (S13) verdient die Leitung in Stufe 3 ab Mai 2026 monatlich 5.630 Euro brutto, zzgl. Leitungszulage (~10 %). Bei Häusern ab 90 Plätzen gilt S15 mit bis zu 7.878 Euro Endstufe.
Wann genau wird die Gehaltserhöhung 2026 wirksam?
Zum 1. Mai 2026. Das Mai-Gehalt enthält bereits die erhöhten Bezüge. Rückwirkende Zahlungen für Januar bis April 2026 sind nicht vorgesehen.
TVöD oder TV-L – was ist besser für Erzieherinnen?
Der TVöD (Kommunen) zahlt je nach Stufe 150 bis 180 Euro monatlich mehr als der TV-L (Länder). Auch die Jahressonderzahlung ist höher. Die Länder bieten dafür teils Verbeamtung an.
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