Das Wichtigste in Kürze
- Bewegung fördert nachweislich die Gehirnentwicklung – Kinder, die viel toben, lernen besser und können sich länger konzentrieren
- Freies, unstrukturiertes Spiel ist effektiver als organisierte Förderkurse – Kinder brauchen Zeit, Raum und Vertrauen, keine Anleitung
- Die WHO empfiehlt für Kinder unter fünf Jahren mindestens drei Stunden Bewegung pro Tag über den Tag verteilt
- Schon kleine Veränderungen im Alltag bringen viel: zu Fuss zur Kita, Treppe statt Lift, Mithilfe im Haushalt
- Natur ist der beste Bewegungsraum – unebener Boden, Äste und Hänge trainieren Gleichgewicht und Motorik von ganz allein
Als ich meine Ausbildung zur Pikler-Pädagogin in St. Gallen machte, gab es einen Satz, der mich nie mehr losliess: Das Kind weiss selbst am besten, was es für seine Entwicklung braucht. Wir Erwachsenen müssen ihm nur den Raum geben, es zu tun. Ich habe diesen Satz in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder bestätigt gesehen – auf dem Spielplatz, in der Krippengruppe und auf den Hängen des Alpstein, wo Kinder mit einer Selbstverständlichkeit über Wurzeln klettern, die jeden noch so gut ausgestatteten Bewegungsraum einer Kita blass aussehen lässt.
Bewegung ist nicht einfach nur gesund. Sie ist das Fundament, auf dem Kinder ihre Welt begreifen. Wer krabbelt, lernt Entfernungen einzuschätzen. Wer balanciert, trainiert sein Gleichgewicht – und damit die Basis für spätere Konzentrationsfähigkeit. Wer mit anderen Fangen spielt, lernt soziale Regeln, ohne dass jemand sie erklären muss. Und trotzdem: Noch nie haben sich Kinder so wenig bewegt wie heute. Untersuchungen zeigen, dass nur noch ein Drittel aller Kinder im Schulalter das empfohlene Bewegungsminimum erreicht. Ein Widerspruch, über den ich mit Ihnen sprechen möchte – nicht als die Pädagogin von der Seitenlinie, die mit dem Zeigefinger kommt, sondern als jemand, der weiss, wie schwer es im Alltag manchmal ist.
Was Bewegung mit dem kindlichen Gehirn macht
Die Verbindung zwischen Bewegung und geistiger Entwicklung ist enger, als viele vermuten. Wenn ein Kind krabbelt, feuern die Nervenzellen nicht nur in den Muskeln. Sie bauen Verbindungen im Gehirn auf, die später fürs Rechnen, Lesen und Schreiben gebraucht werden. Die Fachwelt spricht von sensomotorischer Integration – das Gehirn lernt, Sinneswahrnehmungen und Bewegungen zu koordinieren. Anders gesagt: Bewegung ist die Hardware, auf der später die Software des Lernens läuft.
Ein Beispiel, das ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte: Kinder, die sicher über einen Baumstamm balancieren, haben meist weniger Schwierigkeiten, still zu sitzen und einem Buch zu folgen. Der Gleichgewichtssinn, der beim Balancieren trainiert wird, sitzt im selben Hirnareal wie die Aufmerksamkeitssteuerung. Wer ihn früh schult, legt das Fundament für späteres konzentriertes Lernen. Das ist kein Zufall, sondern Neurobiologie. Genauso verhält es sich mit der Überkreuzbewegung: Wenn ein Kind abwechselnd mit der rechten Hand zum linken Knie greift – eine Bewegung, die beim Krabbeln automatisch passiert –, werden die beiden Gehirnhälften miteinander vernetzt. Diese Vernetzung ist später die Grundlage für flüssiges Lesen und Schreiben.
Studien zeigen, dass Kinder, die sich viel bewegen, nicht nur motorisch geschickter sind. Sie können sich besser konzentrieren, haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen und kommen mit Frustration besser zurecht. Der Grund: Bewegung setzt Botenstoffe im Gehirn frei – allen voran das sogenannte Glückshormon Dopamin – die für Motivation und Lernbereitschaft zuständig sind. Ein Kind, das morgens getobt hat, lernt nachmittags einfach besser. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern übrigens auch für Erwachsene – nur dass wir es gerne vergessen.
Warum Kinder heute weniger Bewegung bekommen
Die Zahlen sind alarmierend: Nur noch etwa ein Drittel aller Kinder im Grundschulalter erreicht die empfohlene tägliche Bewegungszeit. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Kinder unter fünf Jahren mindestens drei Stunden Bewegung über den Tag verteilt – für die meisten Kinder ist das ein unerreichbarer Wert. Schuluntersuchungen in mehreren deutschen Bundesländern zeigen einen kontinuierlichen Anstieg motorischer Defizite über die letzten zehn Jahre. Woran liegt das?
Ein Faktor ist die zunehmende Bildschirmzeit. Tablets und Smartphones sind perfekte Bewegungsverhinderer: Sie fesseln die Aufmerksamkeit, während der Körper stillgestellt ist. Eine erfahrene Pädagogin warnte kürzlich, dass vielen Kindern grundlegende motorische Fähigkeiten verloren gehen – sie können keine Rolle vorwärts mehr, nicht rückwärts laufen, und feinmotorische Aufgaben wie Schleife binden werden zur Herausforderung. Das liegt nicht daran, dass Kinder heute anders wären als früher. Es liegt daran, dass sie zu wenig Gelegenheit zum Üben bekommen. Wenn ein Fünfjähriger drei Stunden am Tag auf ein Tablet starrt, fehlen ihm genau die drei Stunden, in denen er seinen Körper hätte erproben können.
Ein zweiter Faktor ist die Verinselung der Kindheit. Wo früher Kinder auf der Straße spielten, werden sie heute von Termin zu Termin gefahren: Ballett am Montag, Fussball am Dienstag, Klavier am Mittwoch. Organisierte Aktivitäten sind nicht schlecht – aber sie ersetzen nicht das freie, unstrukturierte Spiel, bei dem Kinder selbst entscheiden, was sie tun, wie lange und mit wem. In meiner Arbeit mit Pikler-Gruppen habe ich immer wieder gesehen, wie Kinder in einer unstrukturierten Umgebung Bewegungen entdecken, die sie in keinem Kurs lernen würden. Ein Kind, das eine halbe Stunde lang versucht, einen schweren Ast über einen Hügel zu ziehen, lernt mehr über Physik, Kraftdosierung und Ausdauer als in jeder Turneinheit.
Das Pikler-Prinzip: Vertrauen in die eigene Entwicklung
Emmi Pikler, die ungarische Kinderärztin, deren Arbeit mich bis heute prägt, hat in den 1930er Jahren etwas Revolutionäres erkannt: Kinder brauchen keine Anleitung, um sich zu entwickeln. Sie tun es von selbst, wenn man sie lässt. Pikler dokumentierte über Jahrzehnte, wie Kinder in ihrem eigenen Tempo vom Liegen zum Drehen, vom Drehen zum Krabbeln und vom Krabbeln zum Laufen kommen – ohne dass ein Erwachsener eingreift, sie hinsetzt, an die Hand nimmt oder in eine Position bringt, für die sie noch nicht bereit sind. Ihre Arbeit im Säuglingsheim Loczy in Budapest wurde weltweit zum Vorbild für eine respektvolle, am Kind orientierte Pädagogik.
Das klingt einfach, ist es aber nicht. Es bedeutet, dem Kind zuzutrauen, dass es seinen eigenen Weg findet. Es bedeutet, nicht bei jedem Stolpern aufzuspringen und das Kind hochzuziehen. Und es bedeutet, eine Umgebung zu schaffen, die sicher ist, aber Herausforderungen bietet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Kinder, denen man diesen Raum gibt, entwickeln ein erstaunliches Gespür für ihre eigenen Grenzen. Sie lernen nicht nur laufen und klettern – sie lernen, sich selbst einzuschätzen. Ein Kind, das selbst herausfindet, wie es vom Stuhl wieder herunterkommt, hat mehr gelernt als eines, das immer hochgehoben wurde.
Gerade in der heutigen Zeit, in der Förderkurse für Babys boomen und Eltern Angst haben, etwas zu verpassen, ist Piklers Botschaft radikal aktuell: Sie müssen die Entwicklung Ihres Kindes nicht fördern. Sie geschieht von selbst. Was Sie tun können: da sein, beobachten, vertrauen. Und den Raum bereitstellen, in dem das Kind seine eigenen Erfahrungen machen kann. Die gute Nachricht ist: Sie sparen sich das Geld für den Pekip-Kurs und bekommen trotzdem das bessere Ergebnis – ein selbstbewusstes Kind, das seinen Körper kennt.
Bewegungsmangel: Was passiert, wenn Kinder zu wenig Gelegenheit bekommen
Die Folgen des Bewegungsmangels zeigen sich oft erst mit Verzögerung – und dann umso deutlicher. Eine grossangelegte Auswertung von Schuleingangsuntersuchungen durch das Deutsche Ärzteblatt ergab, dass immer mehr Kinder motorische Defizite aufweisen. Sie können nicht auf einem Bein hüpfen, nicht rückwärts balancieren, haben Schwierigkeiten mit der Hand-Auge-Koordination. Der Anteil der Kinder mit auffälligen motorischen Befunden ist innerhalb weniger Jahre um mehr als ein Drittel gestiegen. Das sind keine Grenzfälle mehr, das ist ein Trend, der flächendeckend in Kitas und Schulen ankommt.
Was viele Eltern nicht wissen: Motorische Defizite bleiben selten allein. Sie ziehen oft soziale und emotionale Probleme nach sich. Ein Kind, das beim Ballspielen nicht mithalten kann, wird seltener eingeladen. Ein Kind, das beim Klettern ängstlich am Rand steht, verliert an Selbstvertrauen. Bewegung ist ein soziales Medium – wer hier Einschränkungen hat, wird auch in anderen Bereichen abgehängt. Die Forschung spricht vom Teufelskreis der motorischen Entwicklung: Wer sich wenig bewegt, bleibt ungeschickt, wird deshalb ausgeschlossen und bewegt sich noch weniger.
Hinzu kommt der Zusammenhang mit der körperlichen Gesundheit: Kinder, die sich wenig bewegen, haben ein höheres Risiko für Übergewicht, Haltungsschäden und später für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die WHO nennt alarmierende Zahlen zur Fettleibigkeit bei Kindern in Europa und macht den Bewegungsmangel neben der Ernährung als Hauptursache aus. Fachleute aus der Sportmedizin bezeichnen das Sitzen inzwischen als das neue Rauchen – und dieser Satz gilt leider nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder, die im Schnitt mehr als fünf Stunden täglich im Sitzen verbringen.
Was Eltern konkret tun können: Weniger ist mehr
Die gute Nachricht: Sie brauchen keine teuren Kurse, kein spezielles Equipment und kein ausgeklügeltes Förderprogramm. Was Kinder für ihre motorische Entwicklung brauchen, ist erstaunlich simpel – und oft genau das Gegenteil von dem, was der Markt anbietet.
Erstens: Zeit. Kinder brauchen unverplante Zeit, in der sie sich selbst beschäftigen können. Ein Nachmittag ohne Termine, an dem gelangweilt auf dem Teppich gelegen wird, ist kein verlorener Nachmittag – er ist die Geburtsstunde der nächsten Bewegungsidee. Zweitens: Raum. Ein Zimmer, in dem Kinder gefahrlos klettern, rutschen, springen und toben können. Das muss kein durchdesigntes Spielzimmer sein – eine Matratze auf dem Boden, ein stabiler Hocker zum Hochziehen und eine freie Fläche reichen völlig. Drittens: Vorbild. Kinder bewegen sich mehr, wenn ihre Eltern sich bewegen. Die Forschung zeigt: Kinder körperlich aktiver Eltern haben eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, selbst aktiv zu sein. Sie müssen kein Leistungssportler sein – eine gemeinsame Fahrradtour am Wochenende oder ein Tanz durchs Wohnzimmer reichen, um das Signal zu senden: Bewegung gehört zum Leben dazu.
Und viertens: Vertrauen. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind weiss, was es braucht. Ein Kind, das immer wieder versucht, auf den Sessel zu klettern, trainiert nicht nur seine Muskeln – es lernt, Herausforderungen zu meistern. Greifen Sie nicht sofort ein, wenn es wackelt. Bleiben Sie in der Nähe, aber geben Sie ihm die Chance, es selbst zu schaffen. Das ist schwer, ich weiss. Mein Impuls als Mutter und Pädagogin ist auch immer zuerst: Helfen! Aber jedes Kind, das es selbst geschafft hat, strahlt danach mit einem Stolz, den kein Lob der Welt ersetzen kann.
Von St. Gallen bis in den Alpstein: Was die Natur uns lehrt
In St. Gallen läuft derzeit ein vielversprechendes Pilotprojekt zur Bewegungsförderung, das mich besonders freut. Kinder werden regelmässig in die Natur gebracht, um dort ihrem Bewegungsdrang nachzugehen – ohne angeleitete Übungen, ohne Leistungsdruck, ohne dass jemand sagt, wie man richtig über einen Baumstamm balanciert. Die ersten Rückmeldungen sind begeisternd: Die Kinder sind ausgeglichener, schlafen besser und haben mehr Freude an der Bewegung. Was mich daran so begeistert: Es bestätigt genau das, was Pikler und die Reggio-Pädagogik seit Jahrzehnten vertreten. Natur ist der beste Bewegungsraum, den es gibt – und der günstigste obendrein.
Der Waldboden ist uneben – das schult den Gleichgewichtssinn. Äste hängen in unterschiedlichen Höhen – das fördert die räumliche Wahrnehmung. Ein Bachlauf will überquert werden – das trainiert die Planungsfähigkeit und den Mut. All das geschieht ohne Anleitung, ohne Aufforderung, einfach weil die Umgebung es verlangt. Wenn ich mit Kindern im Alpstein unterwegs bin, sehe ich, wie sie nach zwei Stunden draussen Bewegungen ausführen, die sie in der Krippe nie zeigen würden. Sie werden mutiger, geschickter und gleichzeitig ruhiger. Die Natur hat einen beruhigenden Effekt, den kein Bewegungsraum mit Schaumstoffmatten erreicht.
Sie müssen dafür nicht in die Berge fahren. Ein verwilderter Garten, ein Park mit altem Baumbestand oder ein Waldstück am Stadtrand tun es auch – in der Schweiz haben wir davon zum Glück mehr als genug. Hauptsache, es gibt etwas zu entdecken. Und Hauptsache, die Erwachsenen halten sich mit gutgemeinten Warnungen zurück. Ein Kind, das bei jedem Schritt hört: Pass auf, fall nicht hin!, wird genau das tun: hinfallen. Nicht weil es ungeschickt ist, sondern weil es verunsichert wurde.
Kleine Dinge mit großer Wirkung: So bringen Sie mehr Bewegung in den Alltag
Nicht jede Familie wohnt am Waldrand oder hat einen Garten. Aber Bewegung lässt sich überall einbauen – oft mehr, als man denkt. Der Weg zur Kita zu Fuss statt mit dem Buggy: zehn Minuten extra Bewegung, zweimal am Tag, fünfmal die Woche – das summiert sich auf hundert Minuten pro Woche, ganz ohne Extratermin. Die Treppe statt des Aufzugs nehmen. Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen – ein Spiel, das Gleichgewicht und Rumpfmuskulatur trainiert und den Badezimmerspiegel zur Lachbühne macht.
Auch im Haushalt gibt es unzählige Gelegenheiten: Kinder lieben es, beim Tragen von Einkäufen zu helfen, Wäsche zu sortieren oder den Tisch zu decken. All das erfordert Koordination, Kraftdosierung und räumliches Denken – Fähigkeiten, die im Sportunterricht der ersten Klasse plötzlich vorausgesetzt werden, ohne dass jemand sie explizit gelehrt hätte. Die Küche ist der beste Bewegungsraum, den viele Familien haben, ohne es zu wissen. Und nebenbei: Kinder, die im Haushalt mithelfen, entwickeln nicht nur ihre Motorik, sondern auch ein gesundes Selbstbewusstsein und das Gefühl, gebraucht zu werden.
Was ich in meiner Arbeit mit Pikler-Gruppen immer wieder beobachte: Die einfachen Dinge funktionieren am besten. Ein Karton wird zum Tunnel, ein Kissenberg zur Kletterwand, ein Besen zum Pferd. Kinder brauchen keine durchgestylte Umgebung. Sie brauchen Material, das ihre Fantasie anregt. Und sie brauchen Erwachsene, die verstehen, dass ein umgefallener Stuhl keine Katastrophe ist, sondern eine motorische Herausforderung, die das Kind vielleicht stolzer macht als jede bestandene Turnstunde. Der schönste Satz, den ich in meiner Laufbahn je von einem Kind gehört habe, war nicht Danke oder Das hat Spass gemacht – sondern: Schau mal, ich habs ganz allein geschafft.
Quellen und weiterführende Literatur
- Apotheken Umschau — Krabbeln, Laufen, Drehen: Warum Eltern die Entwicklung kaum fördern können — 19.06.2026
- St. Galler Tagblatt — Pilotprojekt zur Bewegungsförderung bei Kindern läuft in St. Gallen — 22.03.2026
- Frankfurter Rundschau — Geht verloren: Pädagogin warnt vor bedenklichem Trend bei Achtjährigen — 16.01.2026
- WELT — Bewegung von Geburt an zu fördern, wirkt sich enorm positiv auf die psychosoziale Entwicklung aus — 16.04.2025
- Leben & erziehen — Bewegungsmangel: Wie Helikopter-Eltern ihren Kindern schaden — 23.04.2025
- Deutsches Ärzteblatt — Mehr Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen — 27.02.2025
- World Health Organization — Bewegungsempfehlungen für Kinder unter fünf Jahren — 2019
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Häufige Fragen
Wie viel Bewegung braucht mein Kind am Tag?
Die WHO empfiehlt für Kinder unter fünf Jahren mindestens drei Stunden Bewegung über den Tag verteilt – das muss kein Sport sein, sondern umfasst auch freies Spielen, Toben und alltägliche Aktivitäten. Für Kinder im Schulalter liegt die Empfehlung bei mindestens einer Stunde moderater bis intensiver Bewegung täglich. Wichtig ist, dass die Bewegung über den Tag verteilt ist und nicht am Stück stattfindet.
Muss ich mein Kind in einen Bewegungskurs oder Sportverein anmelden?
Nein, das ist nicht nötig. Organisierte Kurse können Spass machen, aber für die motorische Entwicklung ist das freie, unstrukturierte Spiel viel wichtiger. Kinder entwickeln sich am besten, wenn sie selbst entscheiden können, was sie tun, wie lange und in welchem Tempo. Ein sicherer Raum zum Toben und Zeit ohne Termine sind wichtiger als jeder Kurs.
Mein Kind sitzt viel vor dem Bildschirm – wann wird das problematisch?
Die WHO rät, Kinder unter zwei Jahren gar nicht vor Bildschirme zu setzen und bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren die Bildschirmzeit auf maximal eine Stunde täglich zu begrenzen. Bei älteren Kindern gilt: Je mehr Bildschirmzeit, desto weniger Bewegung. Wichtig ist nicht nur die Zeit, die das Kind vor dem Gerät verbringt, sondern vor allem die Zeit, die ihm dadurch für Bewegung fehlt. Eine klare Bildschirm-Regel hilft, die Balance zu halten.
Woran erkenne ich, ob mein Kind motorische Probleme hat?
Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo, aber es gibt Hinweise, die man ernst nehmen sollte: Wenn ein Kind mit fünf Jahren nicht auf einem Bein hüpfen kann, beim Ballfangen grosse Mühe hat oder auffallend häufig stolpert, kann das auf eine motorische Entwicklungsverzögerung hindeuten. Besprechen Sie Ihre Beobachtungen mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin. Je früher solche Probleme erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln.
Wie kann ich Bewegung im Alltag fördern, wenn wir in einer Wohnung ohne Garten leben?
Auch ohne Garten gibt es viele Möglichkeiten: Lassen Sie Ihr Kind zu Fuss oder mit dem Laufrad zur Kita kommen statt im Buggy. Nehmen Sie die Treppe statt des Aufzugs. Eine Matratze oder ein stabiler Hocker im Kinderzimmer regen zum Klettern und Toben an. Besuchen Sie regelmässig Spielplätze, Parks oder Wälder in der Umgebung. Auch alltägliche Aufgaben wie Tischdecken oder Einkäufe trainierten die Motorik ganz nebenbei.
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