Schuleingangsphase: Warum 40.000 Kinder scheitern

Zuletzt redaktionell geprüft:

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als 40.000 Kinder wiederholten zuletzt die erste Klasse — ein Alarmsignal, das zeigt, dass die Schuleingangsphase vielerorts nicht mehr funktioniert.
  • Schulreife bedeutet nicht, dass ein Kind schon lesen oder rechnen kann — entscheidend sind Sprachkompetenz, Grob- und Feinmotorik, sozial-emotionale Reife und basale Selbstständigkeit.
  • Gemeinsame Gesprächszeit, tägliches Vorlesen und freies Spiel sind die wirksamste Frühförderung — und kosten nichts außer Zeit und Zuwendung.
  • Bundesbildungsministerin Prien plant einheitliche Standards für die frühe Bildung — ein wichtiger Schritt, der aber nur mit besserer Personalausstattung in den Kitas wirken kann.
  • Bei anhaltenden Entwicklungsauffälligkeiten sollten Eltern frühzeitig das Gespräch mit dem Kinderarzt suchen — das Vorschulalter ist das entscheidende Zeitfenster für gezielte Förderung.

An einem Dienstagmorgen im Mai saß ich auf einer Holzbank im Treppenhaus einer Münchner Grundschule und blätterte in den frisch eingetroffenen Bögen der Schuleingangsuntersuchung. Neben mir eine Kollegin, die seit zwanzig Jahren Erstklässler unterrichtet. Sie tippte mit dem Finger auf eine Zeile und sagte leise: „Schau dir das an – bei fast jedem zweiten Kind steht hier ein Förderbedarf.“ Ich habe diesen Satz nicht vergessen, weil er so treffend war, sondern weil er mir gezeigt hat, dass die Schuleingangsphase schon lange nicht mehr so funktioniert, wie sie sollte.

Jetzt, im Juni 2026, hat Bundesbildungsministerin Prien ein Thema auf die Agenda gesetzt, das Lehrkräfte, Erzieherinnen und Eltern seit Jahren mit Sorgen begleiten: die wachsende Bildungsschere, die sich schon in der Schuleingangsphase öffnet — bevor Kinder überhaupt ihren ersten Schultag erleben. Die Ministerin will bundesweit einheitliche Standards für die frühe Bildung – ein Vorstoß, der lange überfällig ist und doch nur bestätigt, was in den Klassenzimmern längst Alltag ist: Zu viele Kinder kommen nicht schulbereit in die erste Klasse.

Die nackten Zahlen: Was in den ersten Klassen wirklich los ist

Mehr als 40.000 Kinder haben im vergangenen Schuljahr die erste Klasse wiederholt – eine Zahl, die mich als ehemaligen Grundschullehrer fassungslos macht. Das sind keine Kinder mit diagnostizierten Lernbehinderungen, sondern ganz normale Jungen und Mädchen, die einfach noch nicht bereit waren für das, was die Schule von ihnen verlangt. Sitzenbleiben in Klasse 1 war früher die absolute Ausnahme. Heute ist es ein Massenphänomen.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, wo immer mehr Erst- und Zweitklässler die Klasse wiederholen müssen. Die Gründe, die Lehrkräfte in Umfragen nennen, sind immer dieselben: mangelnde Sprachkompetenz, fehlende Feinmotorik, Konzentrationsschwierigkeiten und – das wird oft unterschätzt – eine mangelnde emotionale Stabilität. Kinder, die nicht warten können, die bei der kleinsten Frustration aufgeben, die nicht verstehen, dass in einer Klasse mit fünfundzwanzig Kindern nicht immer sofort jemand kommt, wenn sie rufen.

Auch der Blick über die Grenze ist aufschlussreich: In Salzburg gilt jedes vierte Kind als nicht schulreif, in Wien jedes fünfte. Das sind keine isolierten deutschen Probleme – der gesamte deutschsprachige Raum ringt mit der Frage, was Schulreife heute bedeutet und wie wir sie erreichen können.

Warum öffnet sich die Schere vor der Einschulung?

Wenn ich mit meinen ehemaligen Kolleginnen am Telefon spreche, höre ich immer wieder drei Begriffe: Zeitmangel, Bildschirmzeit, Personalmangel. Hinter jedem dieser Begriffe verbirgt sich eine Geschichte, die in der Schuleingangsphase ihre Konsequenzen zeigt.

Zeitmangel in den Familien ist ein heikles Thema, weil es niemandem gerecht wird, Eltern einen Vorwurf zu machen. Aber die Realität ist: Wenn beide Eltern arbeiten, der Alltag durchgetaktet ist und das gemeinsame Abendessen – für mich als Kind der Achtziger eine feste Institution – der Individualverpflegung vor dem Bildschirm weicht, dann fehlt genau das, was Kinder im Vorschulalter am meisten brauchen: gemeinsame Gesprächszeit. Ich spreche nicht von Lernprogrammen oder Förderstunden. Ich spreche davon, sich beim Abendessen zu erzählen, was heute im Kindergarten passiert ist. Davon, eine Frage zu stellen und eine Antwort zu bekommen. Davon, dass ein Kind das Wort „torkeln“ oder „Hafen“ überhaupt einmal hört und versteht.

Die Bildschirmzeit ist der zweite Elefant im Raum. Ich bin kein Technik-Verweigerer. Aber wenn Kinder vor der Einschulung mehr Stunden vor dem Tablet verbringen als mit anderen Kindern auf dem Spielplatz, dann hat das Auswirkungen. Nicht weil Bildschirme an sich schlecht wären, sondern weil sie das ersetzen, was Entwicklung eigentlich ausmacht: Bewegung, dreidimensionale Erfahrung, soziale Interaktion. Ein Kind lernt nicht balancieren, indem es einem Video zuschaut. Es lernt es, indem es über eine Mauer läuft, fällt, wieder aufsteht und es nochmal versucht.

Und dann ist da der Personalmangel in den Kitas – ein Thema, das schon so oft durch die Medien gegangen ist, dass man es eigentlich nicht mehr hören kann. Aber es ist die dritte, entscheidende Säule: Wenn eine Erzieherin für fünfzehn Kinder zuständig ist statt für acht, dann bleibt keine Zeit für das eine Kind, das bei der Sprachentwicklung etwas Unterstützung brauchen würde. Dann fällt die gezielte Förderung, die bei vielen Kindern den entscheidenden Unterschied machen könnte, einfach hinten runter.

Was Schulreife wirklich bedeutet – jenseits der Checkliste

Schulreife ist kein Test, den man mit fünf Jahren besteht oder nicht. Sie ist ein Gesamtbild aus vielen einzelnen Fähigkeiten, die sich über Jahre entwickeln. Und das Tückische ist: Viele Eltern schauen auf die falschen Dinge.

Ein schulreifes Kind ist nicht das, das schon Buchstaben schreiben oder bis hundert zählen kann. Aus meiner Erfahrung im Klassenzimmer waren es fast nie die kleinen Leseratten, die am ersten Schultag am hellsten strahlten. Es waren die Kinder, die still sitzen und zuhören konnten, die einen Stift ohne verkrampfte Finger hielten, die mit einer Schere umgehen konnten und die verstanden, dass in der großen Pause nicht immer sie als erste an der Rutsche sind.

Was Schulreife wirklich bedeutet, lässt sich in fünf Bereiche fassen: sprachliche Fähigkeiten, motorische Grundlagen, sozial-emotionale Kompetenz, Konzentrationsfähigkeit und – oft unterschätzt – die ganz basale Selbstständigkeit. Ein Kind, das seine Jacke nicht selbst anziehen kann oder den Verschluss seiner Trinkflasche nicht öffnen kann, startet mit einem Handicap in den Schulalltag, das mit dem eigentlichen Lernen gar nichts zu tun hat.

Sprache: Der Schlüssel, der alle Türen öffnet

Die Sprache ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Ein Kind, das mit fünf Jahren noch keine vollständigen Sätze bildet, das einfache Begriffe wie „Hafen“ oder „Zoo“ nicht kennt, das keine Erlebnisse in drei zusammenhängenden Sätzen erzählen kann – dieses Kind wird Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen, Texte zu verstehen und eigene Gedanken auszudrücken. Und das nicht nur im Fach Deutsch. Mathetextaufgaben, Sachkunde, sogar der Sportunterricht: Alles läuft über Sprache.

Die gute Nachricht ist: Sprachförderung ist in den meisten Fällen kein Hexenwerk. Es geht nicht um teure Kurse oder spezielles Lernmaterial. Es geht um Vorlesen – und zwar nicht nur einmal die Woche, sondern möglichst täglich. Es geht um echte Gespräche, in denen man dem Kind offene Fragen stellt und ihm Zeit zum Antworten lässt. Und es geht darum, Fehler nicht ständig zu korrigieren, sondern das Gesagte in der richtigen Form zu wiederholen – die wirksamste Sprachförderung, die es gibt, und sie kostet keinen Cent.

In Hessen zeigt ein groß angelegtes Programm, was möglich ist: Eine Viertelmillion Kinder hat dort in den vergangenen Jahren von verpflichtender Sprachförderung vor der Einschulung profitiert. Das Modell beweist, dass gezielte, frühe Förderung funktioniert – vorausgesetzt, der politische Wille und das nötige Geld sind da.

Motorik: Warum Hüpfen auf einem Bein wichtiger ist als Buchstaben-Malen.

Vor einigen Jahren hat mich eine Sportlehrerin auf dem Schulhof angesprochen und gesagt: „Weißt du, was mich wirklich beunruhigt? Nicht dass sie nicht lesen können. Sondern dass sie auf einem Bein nicht hüpfen können.“ Ich habe damals gelacht, aber sie hatte recht. Grobmotorische Fähigkeiten sind das körperliche Fundament, auf dem später die Feinmotorik aufbaut – und ohne Feinmotorik kein Schreibenlernen.

Kinder, die sicher balancieren können, die einen Ball fangen, die eine Treppe im Wechselschritt hinuntergehen – diese Kinder haben nicht nur bessere Voraussetzungen für den Sportunterricht. Aus meiner Erfahrung als Lehrer kann ich sagen: Zwischen Grobmotorik und kognitiver Entwicklung besteht ein enger Zusammenhang — wer gut balancieren kann, hat es oft auch beim Rechnen leichter. Bewegung fördert die Vernetzung im Gehirn. Ein Kind, das klettert, schult gleichzeitig sein räumliches Denken. Ein Kind, das balanciert, trainiert seine Konzentration.

Das Beste daran: Motorische Förderung braucht keine Anleitung und kein Equipment. Ein Waldspaziergang, ein Klettergerüst auf dem Spielplatz, das gemeinsame Bauen von Türmen aus Bauklötzen – all das sind hochwirksame Maßnahmen, die Kindern nebenbei auch noch Spaß machen.

Sozial-emotionale Reife: Das unsichtbare Fundament.

Können Sie sich vorstellen, wie es für ein sechsjähriges Kind ist, plötzlich Teil einer Klasse mit fünfundzwanzig anderen zu sein? Es muss warten können, bis es aufgerufen wird. Es muss aushalten, dass ein anderes Kind die blaue Schere hat, die es selbst gern hätte. Es muss mit dem Frust umgehen, wenn eine Aufgabe nicht auf Anhieb klappt. Und es muss Hilfe einfordern können, ohne zu weinen oder zu schreien.

Diese Fähigkeiten – Pädagogen nennen sie sozial-emotionale Kompetenz – sind das unsichtbare Fundament, auf dem der gesamte Lernerfolg aufbaut. Und sie entwickeln sich nicht in Förderkursen mit Erwachsenen-Anleitung. Sie entwickeln sich im freien Spiel mit anderen Kindern. Wenn zwei Vierjährige sich darüber streiten, wer den Bagger haben darf, dann ist das kein Ärgernis – es ist eine Lerngelegenheit. Lassen Sie Ihr Kind solche Konflikte selbst lösen, wo es vertretbar ist. Die Erfahrung, einen Kompromiss zu finden, ist wertvoller als jede elterliche Schlichtung.

Eine einfache Übung, die ich Eltern immer mitgebe: Gesellschaftsspiele. Kein Tablet-Spiel, sondern ein echtes Brettspiel mit Regeln, Würfeln und Mitspielern. Ein Kind lernt dabei, Regeln zu akzeptieren, zu verlieren, an der Reihe zu bleiben und sich mit anderen abzustimmen – alles Fähigkeiten, die es in der Schule jeden Tag braucht.

Was Eltern jetzt konkret tun können – und was sie lassen sollten

Wenn ich mit Eltern im Vorschuljahr spreche, haben die meisten eine Frage im Kopf: Soll ich mit meinem Kind das Alphabet üben? Meine Antwort ist immer dieselbe: Nein. Lassen Sie das. Die Grundschule ist genau darauf ausgelegt, Kindern das Lesen und Schreiben von Grund auf beizubringen. Was Sie in den Wochen vor der Einschulung wirklich tun können, ist etwas anderes.

Erstens: Lesen Sie vor. Jeden Tag, wenn es geht. Zehn Minuten reichen. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Ein Kind, das regelmäßig vorgelesen bekommt, entwickelt nicht nur einen größeren Wortschatz – es lernt auch, einer Erzählung über längere Zeit zu folgen, sich in Figuren hineinzuversetzen und über das Gehörte zu sprechen.

Zweitens: Geben Sie Ihrem Kind Verantwortung im Alltag. Lassen Sie es den Tisch decken, die Wäsche mit in die Waschmaschine stopfen, seine eigenen Schuhe zubinden. All das stärkt das Selbstvertrauen – und dieses Selbstvertrauen ist der beste Schutz, den ein Kind am ersten Schultag haben kann.

Drittens: Reduzieren Sie die Bildschirmzeit. Ich sage nicht: Verbannen Sie Tablets aus dem Haus. Aber wenn Ihr Kind eine Stunde weniger vor dem Bildschirm sitzt und stattdessen mit Bauklötzen spielt, ein Bild malt oder mit dem Nachbarskind im Garten tobt – dann haben Sie mehr für die Schulreife getan als mit jedem Lernprogramm.

Die Rolle der Politik: Warum gute Absichten nicht reichen

Die Bundesbildungsministerin hat mit ihrem Vorstoß für einheitliche Standards ein wichtiges Signal gesetzt. Aber Standards auf dem Papier nützen wenig, wenn die Kitas nicht das Personal haben, um sie umzusetzen. Bessere Betreuungsschlüssel, verpflichtende Sprachstandstests im Vorschulalter, eine engere Verzahnung von Kita und Grundschule – all das kostet Geld, und zwar viel. Bisher ist keine Bundesregierung bereit gewesen, dieses Geld in ausreichender Höhe bereitzustellen.

Dabei zeigen Programme wie die hessische Sprachförderung, dass Investitionen in die frühe Bildung sich auszahlen. Jedes Kind, das nicht mit einem Förderbedarf in die Schule kommt, spart dem System langfristig enorme Kosten: für zusätzliche Förderstunden, für sonderpädagogische Maßnahmen, für Klassenwiederholungen. Ganz zu schweigen von dem menschlichen Preis, den ein verpatzter Schulstart für das Selbstbewusstsein eines Kindes hat.

In Bayern und im Saarland werden derzeit Modelle einer verpflichtenden Vorschule diskutiert. Ein flächendeckendes Vorschuljahr für alle Kinder wird derzeit in mehreren Bundesländern diskutiert. Ob das die Lösung ist, sei dahingestellt – aber die Debatte selbst ist wertvoll, weil sie das Thema dorthin rückt, wo es hingehört: auf die politische Agenda.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist.

Nicht jedes Kind, das mit fünf Jahren noch keine Schleife binden kann, hat ein Entwicklungsproblem. Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell, und das ist völlig normal. Aber es gibt einige Warnsignale, bei denen ich als Pädagoge rate, genauer hinzuschauen – und zwar rechtzeitig, nicht erst bei der verpflichtenden Schuleingangsuntersuchung.

Ein Kind, das mit viereinhalb Jahren noch keine vollständigen Sätze spricht und kaum verstanden wird. Ein Kind, das keinerlei Interesse an Stiften, Scheren oder Malen zeigt. Ein Kind, das nicht in der Lage ist, sich für zehn Minuten in eine ruhige Tätigkeit zu vertiefen. Ein Kind, das in der Gruppe ständig aneckt oder sich völlig zurückzieht. In all diesen Fällen ist ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll – und zwar nicht erst ein halbes Jahr vor der Einschulung, sondern früh genug, um gezielte Fördermaßnahmen einzuleiten.

Die gute Nachricht: Gerade im Vorschulalter zwischen vier und sechs Jahren lassen sich viele Entwicklungsverzögerungen durch gezielte Förderung noch gut aufholen. Das Zeitfenster ist kurz, aber es ist da. Und es nicht zu nutzen, wäre der größte Fehler.

Mein persönliches Fazit

Vor ein paar Wochen war ich wieder an meiner alten Schule, zufällig am Tag der Einschulung. Auf dem Schulhof standen die Erstklässler mit ihren viel zu großen Ranzen und ihren viel zu ernsten Gesichtern, und ich dachte an das, was meine alte Kollegin mir vor Jahren auf der Holzbank gesagt hatte. Die Probleme sind nicht kleiner geworden. Aber es hat sich etwas verändert: Sie werden heute offen diskutiert.

Die Debatte, die Bundesbildungsministerin Prien angestoßen hat, ist überfällig. Aber ich möchte nicht, dass sie im politischen Klein-Klein versandet, in Zuständigkeitsfragen zwischen Bund und Ländern, in Finanzierungsvorbehalten. Das Thema Schuleingangsphase ist kein Verwaltungsthema. Es ist ein Menschheitsthema. Jedes einzelne Kind, das heute mit einem Förderbedarf in die Schule kommt, wird die Folgen ein Leben lang spüren.

Was ich Eltern mitgeben möchte, ist ein Satz, den ich in all den Jahren als Lehrer immer wieder gesagt habe: Die Kinder, die am ersten Schultag mit leuchtenden Augen in die Klasse kamen, waren nie die, die schon lesen konnten. Es waren die, die sich etwas zutrauten. Die wussten: Ich kann fragen, wenn ich etwas nicht verstehe, und ich bekomme Hilfe, wenn ich sie brauche. Diese Haltung wächst nicht in einem Förderprogramm. Sie wächst zu Hause, in einer Familie, die zuhört, Zeit hat und Vertrauen schenkt.

Quellen

  • SZ.de – Bundesbildungsministerin Prien: Bildungsschere öffnet sich bereits vor der Einschulung, 15.06.2026
  • zwd Politikmagazin – Ungleich vor Einschulung: Prien plant Standards für frühe Bildung, 19.06.2026
  • News4teachers – Wir fangen bei null an: Mehr als 40.000 Kinder wiederholen die erste Klasse, 24.03.2026
  • Merkur – Startschwierigkeiten in der Grundschule: Warum über 40.000 Kinder die erste Klasse wiederholen müssen, 02.02.2026
  • RP Online – Lehrer werden überlastet: Immer mehr Erst- und Zweitklässler in NRW bleiben sitzen, 23.03.2026
  • swr.de – Finanzprobleme und Kita-Krise: Warum plötzlich wieder über frühere Einschulungen geredet wird, 12.01.2026
  • saarnews – Grüne empfehlen stärkere Förderung vor der Einschulung, 17.06.2026
  • News4teachers – Immer mehr Kinder mit Sprachdefiziten vor der Einschulung, 12.01.2026
  • HESSEN Landesregierung – Eine Viertelmillion Kinder profitierten von Sprachförderung vor Einschulung, 22.01.2026
  • Der Standard – Vorschule: In Salzburg ist jedes vierte Kind nicht schulreif, 02.05.2026
  • Deutsches Schulportal – An der Kettelerschule beginnt das Lernen schon vor der Einschulung, 01.07.2025

Dieser Artikel wurde am 20. Juni 2026 auf Basis aktueller Medienberichte und fachlicher Expertise recherchiert.

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"Die Kinder, die am ersten Schultag mit leuchtenden Augen in die Klasse kamen, waren nie die, die schon lesen konnten. Es waren die, die sich etwas zutrauten — weil sie wussten: Ich kann fragen, wenn ich etwas nicht verstehe, und ich bekomme Hilfe, wenn ich sie brauche. Diese Haltung wächst nicht in einem Förderprogramm. Sie wächst zu Hause, in einer Familie, die zuhört und Zeit hat."
— Tobias Schmid, Pädagogik & Übergang Kita-Schule · KitaHero-Redaktion

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob mein Kind schulreif ist?

Schulreife zeigt sich an einem Gesamtbild, nicht an einer einzelnen Fähigkeit. Ein schulreifes Kind kann sich etwa fünfzehn Minuten konzentrieren, vollständige Sätze sprechen, eine Schere und einen Stift sicher halten, auf einem Bein hüpfen, einfache Formen nachmalen und sich in einer Gruppe angemessen verhalten. Die verpflichtende Schuleingangsuntersuchung prüft diese Bereiche systematisch — aber verlassen Sie sich nicht allein darauf. Beobachten Sie Ihr Kind im Alltag und sprechen Sie bei Unsicherheiten frühzeitig mit der Kinderärztin.

Soll ich mit meinem Vorschulkind das Alphabet und Zahlen üben?

Nein, das ist in der Regel nicht nötig und kann den natürlichen Lernwillen sogar bremsen. Die Grundschule ist genau darauf ausgelegt, Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen von Grund auf beizubringen. Viel wichtiger als Buchstaben-Training ist es, die Neugier des Kindes zu erhalten: durch Vorlesen, gemeinsame Gespräche, spielerisches Entdecken im Alltag. Ein Kind, das gerne lernt, wird in der Schule alles andere von selbst aufholen.

Was kann ich tun, wenn die Kita wegen Personalmangels kaum fördern kann?

Das Wichtigste ist, die Förderung zu Hause bewusst in den Alltag einzubauen. Gemeinsames Vorlesen, Gespräche beim Essen, Malen und Basteln am Küchentisch, Bewegung an der frischen Luft — all das sind hochwirksame Maßnahmen, die keine professionelle Anleitung erfordern. Ergänzend können Sie mit der Kita-Leitung sprechen und nach konkreten Förderbedarfen fragen. Bei echten Entwicklungsverzögerungen ist die Kinderärztin die richtige Anlaufstelle für weitere Schritte.

Mein Kind ist ein Kann-Kind — soll ich es einschulen oder noch ein Jahr warten?

Diese Entscheidung hängt vom individuellen Entwicklungsstand ab, nicht vom Geburtsdatum. Ein Kann-Kind, das emotional stabil ist, sich gut konzentrieren kann und in der Gruppe zurechtkommt, profitiert oft von der früheren Einschulung. Ein Kind, das noch unsicher wirkt, sich leicht ablenken lässt und motorische oder sprachliche Auffälligkeiten zeigt, profitiert in der Regel von einem zusätzlichen Jahr im Kindergarten. Besprechen Sie die Entscheidung mit der Erzieherin, die Ihr Kind im Gruppenalltag am besten kennt, und mit der Schulleitung.

Welche Rolle spielen Bildschirmmedien bei der Schulreife?

Nicht die Bildschirme an sich sind das Problem, sondern das, was sie ersetzen: gemeinsame Gesprächszeit, Bewegung, freies Spiel und echte soziale Interaktion. Kinder unter sechs Jahren, die täglich mehr als eine Stunde vor Bildschirmen verbringen, zeigen messbare Sprachentwicklungsverzögerungen. Es geht nicht um ein komplettes Verbot, sondern um ein gesundes Maß — und darum, dass die bildschirmfreie Zeit mit echten, analogen Erfahrungen gefüllt wird.

Braucht mein Kind einen Deutsch-Vorkurs vor der Einschulung?

Einen verpflichtenden Deutsch-Vorkurs benötigen Kinder, bei denen im Rahmen der Sprachstandserhebung — in den meisten Bundesländern etwa anderthalb Jahre vor der Einschulung — ein besonderer Sprachförderbedarf festgestellt wird. Das betrifft nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch deutschsprachig aufgewachsene Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen. Die Teilnahme ist in vielen Bundesländern verpflichtend und findet oft direkt in der Kita oder den Räumen der zukünftigen Grundschule statt.

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